Planungssicherheit

Sowas wie Planungssicherheit wär mal schön…

Meine Kinder sind an drei verschiedenen Schulen, zwei von ihnen zumindest im gleichen Ort bzw. im gleichen Schulgebäudekomplex, das dritte in einem anderen Ort in einer gebundenen Ganztagsschule. Drei Kinder, drei Schulen. Seit Beginn dieses gerade laufenden Schuljahres sind jetzt 30 Wochen vergangen. Es bleiben noch 15,5 Wochen Schule übrig bis zu den sechseinhalb Wochen dauernden Sommerferien. Von den 30 bereits vergangenen Wochen waren vier Woche Ferien und somit 26 Wochen Unterricht. Von den noch kommenden 15,5 Wochen sind 4,5 Wochen Ferien und 11 Wochen Unterricht.

In diesen 30 vergangenen Wochen – oder eben 26 Wochen ohne die Ferien – gab es nicht eine einzige Woche, in der tatsächlich bei allen drei Kindern in allen drei Schulen der Unterricht nach Plan verlief. In jeder dieser Wochen fielen Stunden aus und mindestens eines der Kinder ging erst später in die Schule oder kam schon früher nach Hause. Und wenn mal nichts ausfiel, dann stand mindestens ein Ausflug oder etwas ähnliches auf dem Programm. Die noch kommenden 15,5 Wochen (oder netto 11 Wochen) werden da eher noch anfälliger für werden, denn neben diversen weiteren Ausflügen, die bereits feststehen, kommen noch „Hitzefrei“, Ausfall wegen Abiprüfungen, Ausfall wegen Korrektur dieser Prüfungen und so weiter im Sommerhalbjahr dazu.

Für mich als Mutter im Homeoffice bedeutet das, dass ich bisher keine einzige Woche hatte, in der mir alle eigentlich geplanten Stunden zum Arbeiten zur Verfügung standen. Versteht mich nicht falsch, ich gönne den Kindern jede einzelne Freistunde und ich bin vermutlich die einzige Mutter, die sich auf die Ferien freut und darauf, die Kinder währenddessen daheim zu haben. Aber irgendwie wäre es doch schön, neben dem „geplanten Arbeitsausfall“ aufgrund von Ferien mal eine ganze Woche nicht auch noch zusätzlichen „ungeplanten Arbeitsausfall“ zu haben. Es geht mir dabei gar nicht so sehr wirklich um das Planen. Ich will ja gar nix wirklich PLANEN! Ich will nur mal die Verlässlichkeit haben, dass alles, was ja eigentlich bereits geplant ist – nämlich der Unterricht! – auch wirklich so stattfindet, wie er geplant ist!

Und dabei bin ich ja mit meiner freiberuflichen Arbeit im Homeoffice noch wirklich gut bedient, weil ich auf Stundenentfall, Kindkrank und andere Anfangs- bzw. Endzeiten wegen Ausflügen und sowas total flexibel reagieren kann. Anderen Eltern, egal ob angestellt oder selbstständig, geht es da vermutlich deutlich anders. Und ich muss zugeben, dass meine Kinder allesamt extrem pflegeleicht sind und inzwischen in einem Alter, in dem sie nicht mehr dauernd betreut werden müssen, sondern sehr gut alleine klar kommen. Und trotzdem wäre sowas wie Planungssicherheit, nur für eine einzige Woche, mal wirklich toll.

Ich schaffe es immer irgendwie, meine Arbeit um die Kinder herum zu organisieren. Das bedeutet für mich aber auch ab und an, dass ich einen Auftrag ablehnen muss, wenn es zu eng zu werden droht. Es bedeutet, dass ich ab und an die Arbeit wichtiger nehmen müsste als die Kinder (MÜSSTE, denn ehrlich gesagt passt das nicht in mein Verständnis vom Zusammenleben mit meinen Kindern, denn egal, wie wichtig die Arbeit sein mag, die ich gerade mache, die Kinder gehen IMMER vor!). Es bedeutet, dass ich manchmal Deadlines nicht einhalten kann oder einen Termin kurzfristig absagen muss.

Im Endeffekt bedeutet es für mich also finanzielle Einbußen und mehr Stress.

Donnerstag, 10 Uhr

Es ist Donnerstag und es ist schon 10 Uhr. Mein Arbeitstag ist damit quasi schon zur Hälfte vorbei. Aber ich komme erst jetzt an den Schreibtisch, weil zwei meiner drei Kinder donnerstags erst zur dritten Stunde Unterrichtsbeginn haben.

Ich gönne ihnen diese Freizeit und diesen späten Start in den langen Schultag. Für meine Arbeitszeit allerdings ist das eher so semi-lustig. Der Sohn läuft nämlich erst so gegen 9 Uhr los zum Bus – und natürlich bin ich bis dahin „auf dem Sprung“, um ihm Bescheid zu geben, falls er nicht selbst auf die Uhr schaut. So richtig gut arbeiten lässt sich vor 9 also nicht. Die Jüngste muss ich dann kurz nach 9 selbst an die Schule fahren, da alle anderen Kinder unserer Fahrgemeinschaft natürlich früher Unterricht haben, also bin ich von viertel nach 9 bis viertel vor 10 unterwegs.

Bis ich dann also tatsächlich am Schreibtisch sitze, wird es meist 10 Uhr. Das gibt mir ungefähr 3 Stunden Ruhe zum Arbeiten, ehe die Große nach Hause kommt, die um 13 Uhr Schulschluss hat. Ich liebe es, dass sie mir dann ausführlich von ihrem Schultag erzählt, für meine Arbeitszeit allerdings…

Nun ja, es ist wie es ist und da man sich ja über Kleinigkeiten freuen soll: Es könnte schlimmer sein! Nämlich dann, wenn nicht zwei Kinder am gleichen Tag so spät anfangen würden, sondern ich diese Herausforderung für meine Arbeitszeit an zwei – oder drei! – Tagen in der Woche hätte!

Jeden Morgen #aufdemweginshomeoffice

Gerade für die Menschen, die im Homeoffice arbeiten, ist es oft schwer, die Trennung von zu Hause und Arbeit zu machen. Klar, das ist auch einer der Vorteile von Homeoffice, dass man eben keine Fahrzeiten hat, dass man immer daheim ist, falls die Kinder früher aus haben und so weiter. Aber es besteht auch immer die Versuchung, doch noch schnell die Spülmaschine einzuräumen oder doch noch schnell die Fenster zu putzen. Das hätte man nicht, wäre man in einem externen Büro.

Da fehlt er dann ein wenig, der Anfahrtsweg, auf dem man sich auf die Arbeit einstellen kann und drum helfe ich mir inzwischen, indem ich mir einen Weg ins Homeoffice künstlich schaffe. Ich mach das eigentlich schon seit letztem Schuljahr, weil ich da jeden Morgen meine Jüngste in die Schule gefahren habe und wieder nach Hause gefahren bin und im Prinzip war das mein Weg ins Homeoffice. Dieses Schuljahr fahr ich sie nur an 2 Tagen morgens, allerdings laufe ich mit ihr an den anderen drei Wochentagen gemeinsam zur Straße hoch, an der sie von einer anderen Mama der Fahrgemeinschaft abgeholt wird und auch das ist eigentlich jeden Morgen mein Weg ins Homeoffice.

Ich hab das nur bisher nie tatsächlich als diesen betrachtet, fand es nur schon immer ganz gut, nicht direkt vom Kinderverabschieden an den Schreibtisch zu hüpfen, sondern eine gewisse zeitliche und ja auch räumliche Trennung zu haben. Dann kam Wibke Ladwig und berichtete ab und an auf Instagram von ihrem Weg ins Homeoffice und wie gut der tat. Und da machte es bei mir auch irgendwann endlich „klick“ – und ich beschloss, nicht mehr direkt vom Abholplatz wieder nach Hause zu laufen, sondern eine kleine Schleife durchs Dorf zu drehen. Na gut, viele Schleifen gibt es da nicht zu machen und ich könnte nicht mal jeden Wochentag wirklich einen anderen Weg nehmen, weil es einfach nicht soooo viele Straßen hier gibt, aber es tat gut, noch einen kurzen Moment Luft zu holen und den Weg ganz bewusst als Weg wahrzunehmen.

Ich denke, dieses bewusste Rausgehen aus dem Zuhause, eine Runde um den Block, durch den Park, übers Feld oder wo auch immer entlang, kann helfen und die Konzentration auf die Arbeit steigern. Einen bewussten Abstand schaffen zwischen „zu Hause“ und „auf Arbeit“. Und die frische Luft am frühen Morgen und der viele Sauerstoff (zumindest hier auf dem Land) pusten gleich auch mal die Gedanken durch und helfen natürlich mit.

Nun lass ich mich mal überraschen, wie es mit meinem Weg in mein Homeoffice weitergeht. Wie es sich an den „Fahrtagen“ anfühlt, wenn ich die Rückfahrt von der Schule tatsächlich als Weg in mein Homeoffice betrachte. Wann ich genug davon habe, die immer gleiche Schleife durchs Dorf zu drehen und deshalb die große Schleife rund um die Erdbeerfelder mache. Und wann die Jüngste mir sagt, dass sie ja eigentlich groß genug ist, alleine zur Straße zu laufen. Denn dann muss ich mich vermutlich überwinden, den Weg ins Homeoffice trotzdem zu machen, weil eigentlich könnt ich ja dableiben.